Vortrag über rechte Szene in Franken

Robert Andreasch berichtet gestern im Falkenhaus über die Rechte Szene in Franken/Bayern. Dabei sage ich absichtlich berichtete, denn bei dem Vortrag ging es nur sehr wenig um nicht greifbares, sondern um Fakten, Geschehen in und um den Freistaat.

Neu war vor mich allem, wie stark die NSU Affäre tatsächlich in Bayern spielt und gar nicht wie ständig in den Medien zu hören Thüringen. Geradezu unglaublich, über die Schieß-Ausbildung über eine geliehene Identität bis zu Kontakten welche Unterschlupf gewährten, Bayern spielte eine große Rolle.
Dann noch die Feststellung, dass Rechtsextreme in Bayern häufig und offener dem Nationalsozialismus anhängen als in anderen Bundesländern. Häufiger hört man Nazis und Rechte als austauschbare Begriffe. Tatsächlich gibt es ja aber einen Unterschied, welcher wohl in Restdeutschland stärker ausgeprägt ist. Nazis sind die, welche sich eher historisch bezogen einen Nationalsozialistischen Staat wünschen wohingegen Rechte sich blank gegen Andersartige richten.
Außerdem hatte ich Nazis nie unter dem sexistischen Aspekt gesehen. Aber klar, jeder Mann ein Soldat – und die Frau bitte Kinder hüten und Kranke pflegen. Nur weil Männer im öffentlichen Bild der Neonazis dominieren, bedeutet dass nicht das es keine Nazi-Frauen gibt. Die geringe Präsenz in der Öffentlichkeit bedeutet nur, dass die Frau das Heim hütet während der Mann draußen in der Welt politisch aktiv ist.

Zum anderen taucht die rechte Szene für viele nur gelegentlich auf, als NPD Kundgebung oder Randthema in einer Zeitung. Das jedoch gerade die nicht-parteiliche Neonazi Szene groß und aktiv ist kommt in meiner Bubble nur selten an. Mich verwundert es tatsächlich zu hören, das in mindestens 40 Städten die Rechten Kampagnen gegen Flüchtlingsheime fahren und das es im beschaulichen Bamberg Übergriffe auf Synagogen gibt, allein zwei schon in diesem Jahr.

Auch die unterschwellige, latente Fremdenfeindlichkeit habe ich unterschätzt. In der Studie “Mitte im Umbruch”(2012) wurde die Frage gestellt “Die Bundesrepublik ist durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet” – und 35,6% der Bürger Deutschlands stimmen dem zu. Persönlich ist mir nicht klar, was mit einem gefährlichen Maß an Überfremdung gemeint ist. Sind wir nicht auf dem Weg, Menschen als Menschen wahrzunehmen und sie nicht aufgrund ihrer Heimat zu kategorisieren? Die Fragestellung spielt natürlich mit hinein in das Ergebnis. Wäre die Frage “Sind die ausländerfeindlich?” gewesen, wäre es ein anderes.
Sichtbar wird so nur die unterschwellige Ausländerfeindlichkeit, welche man in mancher harmlosen Runde mitbekommt. Da wird hier ein Witz erzählt, da gelacht, dort kritisiert. Offen wird sie selten, die rechte Einstellung, der Rassismus in der Mitte der Gesellschaft. Sie ist jedoch da. Drüber hinweg hören oder das Thema wechseln ist keine Lösung. Es ist wichtig nachzufragen, nach einem dahin gebrabbelten Kommentar über die Ausländer(tm). Es ist wichtig klar Stellung zu beziehen.

Ich lege jedem den Vortrag und die sonstige Arbeit von Robert Andreasch ans Herz, es lohnt sich ihm zu lauschen, sein Resümee zu lesen.

Am Rande

Nächstes Wochenende, am 8.Dezember findet in Nürnberg ein Frankenplenum zum Thema Asylpolitik statt.

1 Kommentar

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Eine Antwort zu “Vortrag über rechte Szene in Franken

  1. StephanOchsenfurt

    “..und das es im beschaulichen Bamberg Übergriffe auf Synagogen gibt,” das dürfte am “strukturellen Antisemitismus liegen” – den gibts aber links wie rechts…:, ist aus meiner Sicht etwas anderes, als das, womit die wirlklich Rechte Szene normalerweise in Verbindung gebracht wird. Denke hier kann man differenzieren.
    lG

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